Detailansicht Aktuelles

12.09.2014 Kategorie: Infos Sozialstation

Markdorf: Wenn der Rollbraten direkt ins Haus rollt

Die Sozialstation Markdorf weitet ihr Angebot für „Essen auf Rädern“ aus - Kleinere Portionen sind groß gefragt. (von Inge Wagner, Schwäbische Zeitung, 8.9.2014)

Hermann Ziegler von der Spitalküche kocht das, was bei den Kunden von „Essen auf Rädern“ auf den Tisch kommt. (Foto: Ingeborg Wagner)

Suppe, Hauptgericht, Dessert: Seit Juli führt die Markdorfer Sozialstation das Angebot „Essen auf Rädern“ in Eigenregie. Die Zahl der Bestellungen ist in dieser Zeit um rund 40 Essen pro Woche gestiegen und beträgt nun circa 240 Essen wöchentlich. Zudem sind neuerdings auch kleine Portionen im Angebot.

Erklärtes Ziel ist es, auf 50 Mahlzeiten täglich zu kommen. „Dann rentiert sich eine zweite Tour mit dem Vorteil, dass die Fahrer mehr Zeit für jeden einzelnen Kunden haben“, sagt Wolfgang Jauch, Geschäftsführer der Sozialstation. Kurz hinsetzen, ein paar Worte wechseln, sich nach dem Befinden erkunden – das alles soll dann möglich sein. Nicht zuletzt bringe das Anliefern des Mittagessens verbunden mit einem Schwätzchen auch eine willkommene Abwechslung in einen oft eintönigen Tag. „Dieser caritative Gedanke ist uns als Sozialstation wichtig“, sagt Jauch.

Um die 30 Fahrer – alle im Ehrenamt – bringen das Essen täglich an den Mann und die Frau. Viele von ihnen sind seit Jahren dabei, als der Fahrdienst noch von der Wilhelm-Schlotz-Stiftung gemanagt wurde. Seit 1. Juli ist die gesamte Abwicklung von „Essen auf Rädern“ in die Zuständigkeit der Sozialstation gewandert, inklusive der Fahrer. Um die größer werdende Nachfrage der Kunden bedienen zu können, hat die Einrichtung einen Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) in Teilzeit eingestellt und beschäftigt einen weiteren Mitarbeiter stundenweise.

Drei Gänge sind garantiert

In den vergangenen zwei Monaten ist die Zahl der bestellten Essen stetig gestiegen: Von um die 30 auf derzeit deutlich 40 Essen im Schnitt und pro Tag. „Das liegt sicherlich auch daran, dass wir neuerdings auch kleine Portionen im Angebot haben“, sagt Julia Adamek, die sich derzeit als Praktikantin um den „Mobilen Mahlzeitendienst“ kümmert, wie er im Fachjargon heißt.

Suppe ist jeden Tag im Angebot, Dessert auch. Täglich kann zwischen drei Menüs gewählt werden: Vollkost, Schonkost und vegetarisch. Auch auf Diabetiker wird Rücksicht genommen. Gekocht wird täglich frisch in der Markdorfer Spitalküche, die auch das Altenpflegeheim Sankt Franziskus versorgt sowie den Mittagstisch für die Grundschule liefert. Das noch warme Gericht kommt in kleine Styroporbehälter, die Rollbraten, Spätzle und Co. warm halten.

Die Fahrer starten derzeit um 9.30 Uhr, um alle Essenswünsche bedienen zu können. Bis 12 Uhr Mittagessenszeit bleibt das Essen in den Boxen zwar problemlos warm. Doch Jauch erhofft sich durch das Einrichten einer zweiten Essenstour ab Oktober auch einen etwas späteren Anliefertermin. „Das ist dann einfach stimmiger.“

Er gehört hin und wieder zu den Abnehmern des „Mobilen Mahlzeitendienstes“. „Wenn ich über Mittag im Hause bin oder wir Gäste hier haben, dann esse ich das ausgesprochen gerne. Es ist immer sehr, sehr gut.“ Eins macht Jauch aber gleich klar: „Wir sind kein moderner Pizza-Service.“

Die Kosten für ein normales Essen für 6,80 Euro und die für eine kleinere Portion von 5,80 Euro kämen nur zustande, weil sie subventioniert seien. Einerseits durch die ehrenamtliche Tätigkeit der Fahrer, andererseits, weil die Autos, mit denen die Essen geliefert werden, von Firmen und Institutionen gesponsert seien. Geliefert werde deshalb auch nur dahin, wo Bedürftigkeit bestehe: „Das Kriterium ist eine bestehende Hilfsbedürftigkeit, sei es durch Alter oder Krankheit.“

In der Regel positiv

Die Rückmeldungen zu den Mahlzeiten seien in der Regel positiv. Wenn die Kunden motzen, dann nicht über die Qualität, sondern die Begleitumstände der Anlieferung. „Je nach Fahrer variiert die Streckeneinteilung“, sagt Jauch erklärend dazu. Dementsprechend weichen die Lieferzeiten ab. „Das wünschen sich unsere Kunden etwas verlässlicher“, so der Geschäftsführer.Auch das soll ab Oktober garantiert(er) sein.