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26.05.2015 Kategorie: Infos Sozialstation

Salem: Sozialstation steht vor Zusammenschluss

Mit einem Plus von 21.000 Euro hat die Sozialstation Salem das Jahr 2014 abgeschlossen. Das verkündete Geschäftsführer Wolfgang Jauch auf der Mitgliederversammlung am 22. Mai in Leutkirch, die ganz im Zeichen der Neuausrichtung der Sozialstation stand. Dass es im laufenden Geschäftsjahr nicht ganz so rosig aussieht, hat mehrere Gründe.

Die designierten Vorstände der neuen Sozialstation Bodensee Wolfgang Jauch und Andreas Pfeifer, der stellvertretende Vorsitzende der bisherigen Sozialstation Salem Edilbert Froning, Pflegedienstleiterin Sigrid Koch, sowie Dekan Peter Nicola, der Vorsitzende der bisherigen Sozialstation Salem e.V. (von links/Foto: Sozialstation)

„Uns ist der Spagat gelungen, unsere Kosten im Auge zu behalten und dabei unsere Kunden und Patienten in gewohnt guter Qualität zu betreuen“, begründete Wolfgang Jauch das positive Jahresergebnis trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Ein Knackpunkt: Die Erstattungen der Kranken- und Pflegekassen wachsen langsamer als die Tarifgehälter der Mitarbeiter. Insgesamt machen die Personalkosten – die Sozialstation beschäftigt 67 Mitarbeiter in Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung – rund 85 Prozent der Ausgaben aus.

Zu den positiven Ergebnissen des vergangenen Jahres zählt u. a. das gelungene Ausbildungskonzept, das Wiedereinsteigerinnen die Möglichkeit einer qualifizierten Berufsausbildung gibt und einen sicheren Arbeitsplatz garantiert. Erfreulich für Patienten und Mitarbeiter: Die Sozialstation bietet wieder verstärkt Caritas-Plus-Leistungen an, die über die Leistungen der Pflegekassen hinausgehen. Dazu gehören persönliche Gespräche mit Patienten und Angehören in Krisensituationen oder Sterbebegleitung mit speziell geschultem Personal. Für den Vorsitzenden der Sozialstation e.V., Dekan Peter Nicola, eine Selbstverständlichkeit: „Das gebietet allein schon unser christliches Profil“, sagte er mit Verweis auf die Bergpredigt.

Kerngeschäft ausgebaut

Pflegedienstleiterin Sigrid Koch gab einen Überblick über die Leistungen der Sozialstation. Neben den zahlreichen pflegerischen Leistungen sei die Ausbildung von pflegenden Angehörigen zur „Pflege in der Häuslichkeit“ ausgeweitet worden. In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass jeder Pflegebedürftige im Jahr 1.635 Euro für Verhinderungspflege abrufen könne, um die Angehörigen zu entlasten. Durch eine Gesetzesänderung können Patienten aller Pflegestufen neuerdings Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 104 Euro monatlich beantragen. Bisher galt das nur für demenziell Erkrankte. Außerdem verlagere sich die private Nachbarschaftshilfe hin zu bezahlten Leistungen.

Umsatz gesteigert

Geschäftsführer Jauch lieferte die konkreten Zahlen zu Kochs Ausführungen. So sind die Betreuungsleistungen um 25 Prozent gestiegen, während die Umsätze der Nachbarschaftshilfe um zehn Prozent zurückgingen. Insgesamt lag der Umsatz bei 1,5 Millionen Euro, der Gewinn betrug 21.000 Euro. Das sind wegen der gestiegenen Kosten 8.000 weniger als im Vorjahr. Der Jahresabschluss, der von der Firma Solidaris geprüft und für einwandfrei befunden wurde, ist von den Mitgliedern einstimmig genehmigt worden.

Neuausrichtung

2015 steht ganz im Zeichen der Neuausrichtung. Die Sozialstation Salem e.V. wird es in ihrer jetzigen Form nicht mehr lange geben. Im Juni soll es zum Zusammenschluss mit den Sozialstationen Markdorf, Stockach und Überlingen zur Sozialstation Bodensee e.V. kommen, mit denen bereits seit zehn Jahren eine Verwaltungsgemeinschaft besteht. Die Kirchenstrukturreform zwingt dazu. Für die Patienten/Kunden und Geschäftspartner wird sich nichts ändern. Die Sozialstation bleibt mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als eigener Pflegebereich am jetzigen Standort.

Die Versammlung empfahl dem neuen Verein einstimmig, den bisherigen Geschäftsführer Wolfgang Jauch und den Personalleiter Andreas Pfeifer zu hauptamtlichen Vorständen zu berufen, um die Arbeit in bewährter Weise fortzuführen.

Wichtige Verhandlungen

Eine der ersten Aufgaben des neuen Vorstands werden die Einzelverhandlungen mit den Kranken- und Pflegekassen sein. „Mein oberstes Ziel ist es, kostendeckende Abschlüsse zu erzielen“, kündigte Wolfgang Jauch an. Da die Schwestern und Pfleger der Sozialstation auch auf entlegene Höfe fahren, um die Patienten zu versorgen, seien die Fahrten im Schnitt doppelt so weit wie beispielsweise in Friedrichshafen – bei gleicher Vergütung. Hinzu käme, dass sich die Schere zwischen dem, was die Kassen erstatten und der tariflichen Entwicklung immer weiter öffne. Für 2015 erwartet Jauch ein Defizit von 41.000 Euro. Personalkosten sind nicht der einzige Grund.

„Durch die Neuorganisation fallen immense Beratungskosten an“, sagte Dekan Nicola. Deshalb habe man beim Erzbistum Freiburg, das den Stein durch die Kirchenstrukturreform ins Rollen gebracht hatte, um einen Zuschuss gebeten.

Zum Abschluss der letzten Mitgliederversammlung der Sozialstation Salem e.V. war es vielen Mitgliedern ein Bedürfnis, sich beim Vorstand und der Geschäftsführung für die geleistete Arbeit zu bedanken.