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04.08.2016 Kategorie: Infos Sozialstation

Markdorf: „Essen auf Rädern“ rollt in die Zukunft

Älteren, hilfsbedürftigen Menschen eine warme Mahlzeit bringen – das ist Ziel des Projekts „Essen auf Rädern“. Vor rund zwei Jahren hat die Sozialstation Bodensee dies übernommen und nun Bilanz gezogen. (von Julia Freyda, SZ Markdorf)

Ehrenamtliche Helfer und Verantwortliche lassen sich das Essen auf Rädern schmecken. Foto: Julia Freyda/Schwäbische Zeitung

Das Prinzip „Essen auf Rädern“ gibt es bereits seit mehr als 40 Jahren in Markdorf und Umgebung. Ins Leben gerufen wurde es 1974 von den Kirchengemeinden mit großer Unterstützung der Wilhelm-Schlotz-Stiftung. Schon damals waren ehrenamtliche Fahrer im Einsatz, um älteren Menschen die warme Mittagsmahlzeit zu liefern. „Das hat Dank des enormen bürgerschaftlichen Engagements lange gut funktioniert. Aber vor rund drei Jahren waren wir doch bemüht, um das Ganze an eine tragfähigere Basis zu übergeben“, erinnerte Pfarrer Ulrich Hund. Gefunden wurde dieser Partner in der Sozialstation Bodensee.

„Wir haben aber schnell gemerkt, dass die kostenneutrale Fortführung nur möglich ist, wenn wir Sponsoren haben und die Helfer weiterhin ehrenamtlich im Einsatz sind“, sagte Wolfgang Jauch, Vorstandsvorsitzender der Sozialstation Bodensee. Mit Unterstützung der TD Erwerber GmbH und engagierten Bürgern sei dies gelungen. „Wir können hilfsbedürftigen, älteren Menschen so ein kostengünstiges Essen bieten und ich bin zuversichtlich, dass wir auch das fünfjährige Bestehen feiern werden“, sagte Jauch. Die Zahl der Essenbezieher sei in den vergangenen Jahren von 30 auf 40 gestiegen. „Damit sind wir absolut zufrieden. Unsere Obergrenze wären aus Kapazitätsgründen 50 Mahlzeiten“, sagte Jauch.

Ehrenamtliche bringen Essen

So sind montags bis freitags zwei Fahrzeuge mit jeweils zwei Ehrenamtlichen – Fahrer und Essensausträger – in Kernstadt und Umland bis nach Ahausen unterwegs. Am Samstag leistet ein Team beide Touren. Dazu gehören auch Marianne Kornhaas und Roland Bitsch. Seit 17 Jahren fährt Kornhaas mit, bringt den Menschen die Mahlzeit in die Wohnung. „Ich gehöre wohl zu den Dienstältesten, aber mache das sehr gerne“, sagte Kornhaas. Dazu gekommen sei sie über Umwege. Früher wurden ihre Kinder von der Sozialstation zur Förderschule gebracht, 1989 löste sie die damalige Fahrerin ab und gibt so die erhaltene Unterstützung zurück. Otto Peschel ist seit rund drei Jahren dabei. Seine Motivation: „Im Ruhestand etwas sinnvolles zur Beruhigung des sozialen Gewissens machen.“

Das Durchschnittsalter der Essensbezieher liegt bei 86 Jahren. „Die betagten Menschen leben oft allein, haben wenig Kontakt zu anderen. Es ist schon oft vorgekommen, dass unsere Ehrenamtlichen auf Notlagen aufmerksam geworden sind und so zum Beispiel über die Sozialstation weitere Hilfen wie Pflege angeboten werden konnten, um ein weitgehend eigenständiges Leben Zuhause zu ermöglichen“, berichtete Jauch. 

Text/Foto: Julia Freyda, Schwäbische Zeitung Markdorf